Responsive Design vs Mobile Website – eine Glaubensfrage?

Responsive Webdesign ist immer mehr in aller Munde und eines der Buzzwords dieser Tage, nicht zuletzt weil selbst Google es toll findet und sogar empfiehlt (oho!). Doch neben Fans und Befürworten gibt es auch auch Feinde. Im Netz herrscht mitunter eine Art Glaubenskrieg zwischen den Anhängern von responsive Webdesign und den Freunden von mobilen Websites. Doch was ist denn nun die wirklich bessere Lösung?

Dazu sollte man sich nicht nur der technischen Vor- und Nachteile beider Lösungen bewusst sein, die in allen Webdesign-Blogs umfangreich diskutiert werden, sondern vor allem, was und wen man mit seiner Website erreichen will.

Was ist denn überhaupt dieses “Mobile”?

Mittlerweile hat auch der letzte Seitenbetreiber und Online-Marketing-Manager erkannt, dass das Thema Mobile nicht zu vernachlässigen ist. Die mobile Nutzung macht bereits einen beträchtlichen Anteil des Website-Traffics aus. Daher hört man dieser Tage immer wieder die gleiche Anforderung: “Das muss aber auch mobil funktionieren!”

Doch was bedeutet das überhaupt? Schließlich kann ich mit sehr vielen Endgeräten mobil unterwegs sein: meinem Smartphone, Tablet, Laptop und sogar mit meiner Handheld-Spielkonsole! Mit all diesen Geräten bin ich mobil unterwegs und kann auf Internetinhalte zugreifen. Wie die Inhalte dargestellt werden unterscheidet sich mitunter sehr stark.

Um also zu der zuvor genannten Anforderung zurückzukehren: mobil ist nicht gleich mobil. Es sollte daher genauer untersucht werden, für welche Endgeräte sich eine Optimierung für mich lohnt. Dies hängt natürlich von den Inhalten und der Zielgruppe ab die ich bedienen möchte.

Mobile Websites

Mobile Webseiten dienen speziell der Publikation von Inhalten auf mobilen Endgeräten, wie eben Smartphones und Tablets. Sie existieren also parallel zur regulären Desktop-Website und leisten eine schnelle und einfache Darstellung von informellen, redaktionellen oder Unterhaltungs-Inhalten. Das bedeutet ich stelle dem Nutzer nicht den gewohnten vollen Umfang der Desktop-Variante zur Verfügung, sondern nur die Inhalte, die ich für ihn als besonders wichtig erachte.

Weniger ist mehr?

Solch eine Vereinfachung und Reduktion ist zwar schön und praktisch, gerade was die Gestaltung angeht, kann aber auch ordentlich in die Hose gehen. Laufe ich doch eventuell Gefahr genau die Inhalte auszuschließen, die der Nutzer eigentlich gesucht hat. Insofern sollten redaktionelle und informelle Inhalte wenn überhaupt nur werden, da der Nutzer in den meisten Fällen den vollen Informationsumfang erwartet.

Anders sieht es beispielsweise im Entertainment-Sektor aus. Hier kann ich schon eher davon ausgehen, dass meine Zielgruppe nur mal zwischendurch etwas “Internet-Fastfood” konsumieren will oder zu Hause vor dem TV per Second Screen spezielle Angebote nutzt. Vorteil der mobilen Website ist ganz klar, dass ich mich rein auf die reduzierten Inhalte konzentrieren kann und das Design nur adaptiv für eine begrenzte Anzahl von Endgeräten optimieren muss, was insbesondere die Gestaltung von Touchflächen, wie Buttons und Navigationselementen erleichtert.

Responsive Webdesign – Die clevere Alternative

Responsive Design bedeutet übersetzt reaktionsfähig, das heisst, dass meine Webseite sich dem jeweiligen verfügbaren Darstellungsplatz anpasst – ganz unabhängig davon, welches Endgerät ich benutze. Ich kann also bestimmen, wie Design- und Navigationselemente, Schriften, Bilder, Videos etc. sich je nach verfügbarem Platz verhalten sollen und dargestellt werden.

Das klingt spannend und super – und das ist es in der Tat auch – allerdings ist responsive auch immer mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Doch einer guten Planung und Strukturierung in Verbindung mit einem Relaunch der Seite vorausgesetzt, lässt sich hier eine gute nachhaltige Lösung finden, die den Mehraufwand lohnt. Eine bestehende Seite responsiv nachzurüsten lohnt sich jedoch hingegen aus wirtschaftlicher Sicht meist nicht.

Gute Lösung auch für Portale

Was den Umfang der Seite angeht, wird oftmals bei großen Portalen vom responsive Design abgeraten. Doch auch hier gilt: mit guter Planung von Frontend- und Software-Architektur kann auch ein großes Portal responsiv umgesetzt werden!

Nehmen wir zum Beispiel das online Portal der Time (www.time.com). Schaut man sich die Website mit allen umfangreichen Inhalten an. Man wird es wohl kaum für möglich halten, dass dieser ganze Content-Wust zusammengepresst in ein für ein Smartphones optimiertes responsives Format passt, aber es funktioniert. Sicher, man muss eine Menge wischen, bis man sich durch den gesamten Seiteninhalt gewühlt hat, doch es ist durchaus möglich, sich gut durch die Seite zu bewegen auch wenn es bei soviel Umfang mitunter einen winzigen Tick länger dauert, den gesamten Inhalt zu laden.

Usability und SEO?

Spätestens hier schreien Usability- und SEO-Experten lauthals auf, ist doch Ladezeit in beiden Bereichen sehr schädlich. Allerdings sollte man hier auch mal die Kirche im Dorf lassen. In der Praxis sind weder mobile Endgeräte, noch Verbindungen so schnell, dass man die Inhalte innerhalb weniger Sekunden auf seinem Smartphone zu Gesicht bekommt, hier ist der mobile Nutzer durchaus ein wenig Wartezeit gewohnt. Dies trifft auf die Desktop-Variante natürlich weniger zu, daher sollten Seiten mit hohem Traffic besonders in Sachen Frontend- Server- und Software-Architektur nicht sparen und die Ladezeiten durch unnötige Requests reduzieren.

Was ist die bessere Lösung?

Wie man sieht, gibt es bei beiden Lösungen kein richtig oder falsch. Hier gilt es individuell zu entscheiden, welches Ziel ich verfolgen möchte – welche Inhalte zur Verfügung gestellt werden sollen und wie kompatibel und zukunftssicher die Seite aufgebaut sein soll. Möchte ich zu meinem bestehenden Desktop Angebot eine mobile Erweiterung schaffen, kann die Mobile Website eine einfache und kostengünstige Lösung sein.

Möchte ich meinen Seitenbesuchern jedoch den vollen Umfang meiner Seite in einem für alle Endgeräte optimierten Design präsentieren, komme ich um eine responsive Lösung nicht umher. Dies bedeutet zwar einen höheren Mehraufwand, der sich jedoch in Sachen Pflege, Erreichbarkeit und Nachhaltigkeit rentiert.

Interlutions Internetagentur

Interlutions Internetagentur

Geschrieben von der Internetagentur Interlutions

  • Artur

    Ich finde Responsive ist die bessere Wahl. Man ist deutlich flexibler. Dafür fällt aber die CSS Datei immer etwas grösser aus.